Rund 100 Menschen kamen am 2. Oktober 2026 im Begegnungszentrum Gähnfeld zusammen, um das Persönliche Budget kennenzulernen, Erfahrungen auszutauschen und über selbstbestimmte Unterstützung ins Gespräch zu kommen.
Wie kann Unterstützung so organisiert werden, dass sie zum eigenen Leben passt? Diese Frage stand im Mittelpunkt des Fachtags „Mein Budget – Meine Teilhabe – Persönliches Budget verstehen und selbstbestimmt leben“. Menschen mit Assistenzbedarf, Angehörige, Fachkräfte und Netzwerkpartner*innen nahmen sich Zeit für Informationen, persönliche Perspektiven und konkrete Fragen.
Gebärdensprachdolmetschende und Dolmetscherinnen für Leichte Sprache begleiteten den Fachtag, um die Veranstaltung barrierefrei zu gestalten und eine Teilnahme für alle zu ermöglichen.
Das Persönliche Budget ist noch vielen Menschen mit Beeinträchtigung und ihren Familien wenig bekannt. Dabei eröffnet es die Möglichkeit, Unterstützung eigenverantwortlich zu organisieren: Statt einer Sachleistung kann ein Geldbetrag bewilligt werden. Die leistungsberechtigte Person entscheidet dann – im Rahmen der vereinbarten Ziele und Ansprüche – selbst, wer sie unterstützt und wann und wie diese Unterstützung stattfindet.
Der Fachtag rückte das Persönliche Budget als Weg zu mehr Selbstbestimmung und Teilhabe in den Blick: im Alltag, beim Wohnen, in Bildung und Arbeit, in der Freizeit und im sozialen Miteinander. Rund 100 Gäste zeigten, wie groß das Interesse an verständlichen Informationen und Möglichkeiten zum Austausch ist.
Bürgermeister Ulrich Stücker eröffnete den Tag und unterstrich die Bedeutung des Themas für die Kommune. Am Vormittag ging es um das Persönliche Budget für Kinder und Jugendliche. Rechtsanwältin Frau Mehlmann von der Kanzlei Special Needs in Gummersbach erläuterte rechtliche Grundlagen und Voraussetzungen. Herr Büchler berichtete aus seiner Perspektive als Vater einer Tochter mit Beeinträchtigung davon, wie seine Familie den Alltag mit dem Persönlichen Budget gestaltet – einschließlich der Chancen und Herausforderungen.
Am Nachmittag stand das Persönliche Budget für Erwachsene im Mittelpunkt. Frau Ira Vogt vom Kompetenzzentrum Selbstbestimmt Leben (KSL) gab einen fachlichen Impuls. In der anschließenden Podiumsdiskussion tauschten sich Herr Möres vom Landschaftsverband Rheinland (LVR) und Frau Fellenberg aus, die das Persönliche Budget selbst nutzt und ebenfalls beim KSL tätig ist. Ihre Perspektiven machten deutlich: Es geht nicht nur um eine Leistung, sondern um die Möglichkeit, das eigene Leben und die eigene Unterstützung aktiv mitzugestalten.
Infostände von Assistenzdiensten ergänzten das Programm um praktische Einblicke. „Ziemlich beste Freunde“ aus Troisdorf und „Die Assistenzplaner“ aus Ibbenbüren informierten über ihre Angebote. Die Ankündigung, dass die Assistenzplaner*innen perspektivisch eine Filiale im Oberbergischen Kreis planen, war ein ermutigendes Signal für die Region.
Der Fachtag sollte nicht nur Wissen vermitteln, sondern Menschen ermutigen, ihre Rechte kennenzulernen und wahrzunehmen. Das Persönliche Budget ist keine zusätzliche Leistung, sondern eine alternative Form, bestehende Ansprüche umzusetzen. Es kann unter anderem Unterstützung im Alltag und Haushalt, beim Wohnen, in Bildung, Ausbildung und Arbeit sowie bei Freizeitaktivitäten und sozialer Teilhabe ermöglichen.
Ein Antrag kann – je nach Bedarf und Zuständigkeit – bei unterschiedlichen Leistungsträgern gestellt werden. Wer sich näher informieren möchte, kann sich beraten lassen und gemeinsam klären, welche Schritte im eigenen Fall sinnvoll sind. Der Fachtag schuf dafür einen ersten Zugang: Fragen waren willkommen, Erfahrungen wurden geteilt und Kontakte konnten geknüpft werden.
Beteiligung schafft Teilhabe
Das Programm verband fachliche Informationen mit persönlichen Erfahrungen und Austausch. Menschen, die das Persönliche Budget nutzen oder im Alltag damit umgehen, waren nicht nur Thema des Fachtags – ihre Perspektiven prägten die Gespräche mit. Genau darin liegt ein wichtiger Schritt zu mehr Beteiligung: Teilhabe wird gemeinsam gestaltet, wenn Menschen selbst zu Wort kommen und ihre Erfahrungen Entscheidungen und Angebote mitprägen.
Veranstaltet wurde der Fachtag von Wiehl ENTHINDERT, der EUTB Oberberg, der KoKoBe Oberberg und den Offenen Angeboten der Lebenspfade Oberberg e.V. Gemeinsam setzten sie ein Zeichen dafür, Hindernisse abzubauen und selbstbestimmte Unterstützung in der Region sichtbarer zu machen.
Gemeinsam weitergehen
Der Fachtag hat gezeigt: Das Interesse ist da – und verständliche Informationen, Beratung und Austausch können Menschen darin bestärken, eigene Möglichkeiten zu prüfen. Wer mehr über das Persönliche Budget erfahren möchte, kann sich an die EUTB Oberberg, die KoKoBe Oberberg, die Offenen Angebote der Lebenspfade Oberberg e.V. oder Wiehl ENTHINDERT wenden.
Vielen Dank an alle Mitwirkenden, Referentinnen, Gesprächspartnerinnen und Gäste, die den Tag mit ihren Fragen, Erfahrungen und Perspektiven gestaltet haben. Wir freuen uns darauf, gemeinsam weitere Schritte für mehr Selbstbestimmung und Teilhabe in Wiehl und im Oberbergischen Kreis zu gehen.
Kontakt: Wiehl ENTHINDERT · info@wiehl-enthindert.de

